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Hannover-Messe 2018 – Industrie 4.0 auf dem schrittweisen Weg in die Realität

Die Vision der Vernetzung von Maschinen und Komponenten und die Auswertung von gesammelten internen und externen Daten ist ein alter Hut. Das Szenario der selbstnachladenden Kühlschränke gibt es bereits seit über zehn Jahren.

Neu ist, dass die Vision der vernetzten und intelligenten Maschinen nun tatsächlich Schritt für Schritt in die Realität umgesetzt wird. Es gibt zunehmend reale Anwendungsfälle für die betriebliche Steuerung von Maschinen durch Sensorik. Dazu gehören Kaffeemaschinen, die ihren Bedarf an Bohnen und Kapseln in die Cloud melden. Dazu gehören vor allem aber bereits umgesetzte Szenarien wie die Ausstattung von Getränkeautomaten mit Sensorik. Der Anwendungsfall ist simpel. In erster Linie geht es, darum Diebstähle der Automaten zu vermeiden. Erst in zweiter Linie werden die Daten benutzt, Aufstellungsorte weiter zu optimieren.

Das ist auch die wesentliche sichtbare Entwicklung auf der Hannover-Messe 2018 im Vergleich zum letzten Jahr. Es dreht sich weniger um neue Visionen, neue Anwendungsszenarien für die Zukunft oder die Killeranwendung. Im Fokus steht die ganz konkrete Realisierung von IoT-Szenarien mit greifbarem Nutzen für den Endanwender oder greifbaren Business Cases. Die besten Beispiele dafür sind zwei in der jüngsten Vergangenheit stark gehypte Themen, die Datenbrille und das autonome Fahren:

Datenbrillen

Google Glasses hat anfänglich viel Aufmerksamkeit bekommen, in den letzten Jahren wurde es jedoch um das Thema Datenbrillen ruhiger. Heute sucht man nach Lösungen, um Augmented Reality in den Alltag zu bringen, ohne den Datenempfänger zu überlasten. Firmen wie Zeiss haben sich dieses Themas angenommen und entwickeln in enger Kooperation mit ICT-Partnern die intelligente Brille in einer normalen Fassung.

Autonomes Fahren

Über viele Dialoge kam unisono das Feedback, dass es noch sehr lange Zeit brauchen wird, bis ein Auto vollautomatisiert ohne Fahrer komplexe Strecken von A nach B bewältigt. Die ersten Unfälle lassen die schwierige Frage nach der Verantwortung offen und europäische Regulierer aufschrecken. Doch auch ohne die Fähigkeit, von einem Privathaus in Hamburg zu einem Firmengelände in Frankfurt zu fahren kann eine Teilautomatisierung starke Mehrwerte schaffen:

Autonomes Einparken. Maschinen können blitzschnell und ohne Emotionen Abstände optimieren. Maschinen können zudem in Bruchteilen von Sekunden beurteilen, wie Fahrzeuge verschoben werden müssen, um den optimalen Platz für einen Landrover oder einen Mini zu schaffen. Allein das automatisierte Einfahren in Parkbuchten reduziert den benötigten Platz zum Ein- und Aussteigen. Allein die Tatsache, dass ein Mensch aussteigen kann, ohne einzuparken, ist ein echter Mehrwert.

Halbautonome Gabelstapler. Continental präsentierte auf der Messe einen produktionsreifen Gabelstapler, der komplett mit Sensorik bestückt ist. Das Szenario der vorausschauenden Wartung wird damit zur Realität. Der Gabelstapler kann noch mehr: die Spur halten und automatisch stoppen. In kleinen Schritten kann dieses Szenario zum halbautonomen Fahren und zur Steuerung an den richtigen Ort in der Fabrikhalle fortgeführt werden. In einem Szenario, das weitaus weniger komplex ist als der öffentliche Straßenverkehr.

Um diese Beispiele voranzubringen vernetzt sich die ICT-Branche über cloud-basierte IoT-Plattformen mit den Anwenderindustrien in der Fertigung, der Logistik, im Einzelhandel und weiteren Branchen.

Wir haben vor etwa drei Jahren vorausgesagt, dass es hunderte von Plattformen geben wird, von denen sich aber nur ganz wenige im Markt durchsetzen werden. Diese wenigen werden nicht nur von einem Anbieter getrieben, sondern zeichnen sich durch ein starkes Ökosystem quer durch verschiedenste Komponenten – von der internetbasierten Datenplattform bis zu Herstellern von Manufacturing-Execution-Systemen zur Steuerung der Produktionslogik – aus. Diese Vernetzung wurde auch in Hannover in diesem Jahr zunehmend sichtbar. Allein schon dadurch, dass die Präsenz der ICT-Anbieter insgesamt massiv gewachsen ist.

Ökosysteme um IoT-Plattformen

Eine der größten Plattformen im Produktionssegment ist Siemens Mindsphere. Die größten ICT-Dienstleister und -Softwareanbieter waren als Partner prominent vertreten. Einer der wichtigsten Partner dabei ist Atos. Atos und Siemens allein investieren 330 Millionen Euro, um Anwendungen für die Mindsphere-Plattform zu entwickeln.

Die Deutsche Telekom tritt mit dem Data Intelligence Hub als neutraler Broker für Datenlieferanten auf. Auf diesem Datenmarktplatz können Firmen datengetriebene Produkte und Services branchenübergreifend anbieten und weiter veredeln. Sie behalten die volle Souveränität über Datenhaltung- und nutzung. Der Datenaustausch erfolgt nach den Sicherheitsvorgaben der International Data Space Association. Hier können Unternehmen, die ihre eigenen Daten generieren, lernen, wie sie diese kontextuell nutzen, um aus Informationen Entscheidungshilfen zu machen. Sie können ihre Daten auswerten, mit anderen in der Plattform gehandelten Daten kombinieren und mit anderen Unternehmen teilen. Dabei können sie auch genau definieren, mit wem sie ihre Daten nicht, oder nicht mehr, teilen wollen. Kommunen können beispielsweise die Daten zum Zustand der Luftreinheit oder von Verkehrsströmen in ihrer Stadt über die Plattform monetarisieren. In anderen Sektoren ist die Verknüpfung von externen Daten gefragt. Hersteller von Nutzfahrzeugen und Landmaschinen gehören zu den Kunden, die ein sehr hohes Interesse an der Aufbereitung von Wetterdaten haben.

Solche und andere Beispiele zeigen, dass die Vernetzung, die Automatisierung und die Digitalisierung in vielen Branchen stetig voranschreitet. Weniger laut und weniger bombastisch, als vor ein bis zwei Jahren noch diskutiert. Dafür aber mit konkreten Beispielen – und, viel wichtiger noch, mit realen und umsetzbaren Cases, die sich für viele Kunden tatsächlich rechnen.

Wir werden bei der Auswertung im Rahmen des IoT- Provider-Lens-Projektes in diesem Jahr verstärkten Wert auf die Stärke des Ökosystems und die Umsetzung solcher Cases legen.

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