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Wie positionieren sich die Anbieter von Software-Defined WAN Products in Deutschland?

Software-Defined WAN (SD WAN), eine neue Technologie, revolutioniert die WAN-Verbindungen. In den letzten 10 Jahren wurde mehrheitlich die Multi-Protocol-Label-Switching- (MPLS-) Technologie eingesetzt, um Datenpakete von A nach B zu transportieren – eine teure, aber für unternehmenskritische Anwendungen sichere Datenübertragung. Diese Art der WAN-Verbindung ist inzwischen in die Jahre gekommen. Die Endanwender verlangen heute schnelle und flexible WAN-Verbindungen zu Cloud-Anbietern und zu den eigenen Niederlassungen weltweit. Wenn neue Leitungen oder höhere Bandbreiten erforderlich werden, dauert es oft Wochen, bis diese bereitgestellt werden können. Wenn Unternehmen „on demand“ Software oder Infrastrukturleistungen aus der Cloud beziehen, erfolgt die Datenübertragung in den meisten Fällen über Internetverbindungen. Kaum ein Cloud Service Provider (CSP) hat bisher jedoch MPLS im Portfolio.

Anwenderunternehmen suchen nach Alternativen. Eine solche Alternative ist SD WAN, ein virtuelles WAN, das die Möglichkeit bietet, verschiedene Anbindungen aus unterschiedlichen WAN-Technologien z.B. MPLS, Breitband-Internet, LTE und Ethernet zu bündeln und als eine Gesamtbandbreite bereitzustellen. SD WAN entscheidet, welchen Weg die Datenpakete nehmen und welches Medium dafür genutzt wird. Wenn eine Leitung überlastet ist, wird automatisch ein anderer Weg genommen. Die virtuellen Verbindungen bestehen aus mehreren Pfaden, die parallel genutzt werden. Fällt ein Pfad aus, läuft die Übertragung weiter und es wird einfach ein anderer Pfad genommen. Die angebotenen Produkte sorgen für eine 256bit AES-getunnelte Verschlüsselung. Über einen Controller können die Wege und Leitungen beeinflusst werden, so dass z.B. kritische Applikationen nur über MPLS, andere nur über Internet-Breitbandverbindungen oder andere Technologien übertragen werden. Daten, Sprache und Videoübertragen werden somit performant übermittelt. Über den Controller bzw. eine Managementkonsole werden Regeln festgelegt, die dann automatisiert ablaufen, z.B. um den Datentransfer von kritischen Applikationen zu beschleunigen. Leitungen werden überwacht und es werden wichtige Informationen wie z.B. Verfügbarkeit oder Paketverlustraten usw. gegeben, die einem Administrator mit einem herkömmlichen WAN nicht geboten werden. Dadurch, dass eine virtuelle WAN-Umgebung mehrere Pfade zur Verfügung stellt, wird die Datenübertragung beschleunigt, die Bandbreite kann verringert und die Übertragungskosten können reduziert werden. Studien in den USA haben Kostenreduzierungen bis zu 70 Prozent und mehr ausgewiesen. Dem Endanwender bietet sich außerdem die Möglichkeit, sich von Teilen seiner kostenintensiven, starren MPLS-Verbindungen zu trennen. Der Anwender ist nicht mehr an einen Carrier gebunden, sondern kann individuell über einen Colocation-Hub-Anbieter kurzfristig eine für ihn optimale Verbindung ordern. SD WAN ist in Deutschland ein noch sehr junges Thema, das bisher noch nicht in der Breite bei den Anwendern angekommen ist. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich diese Situation im Laufe dieses Jahres ändern wird und das Interesse deutlich zunimmt.

SD WAN war eines der betrachteten Themen des jüngsten Anbietervergleichs “Software Defined/Traditional Networks & Managed Services Vendor Benchmark 2017” für Deutschland, der im Frühjahr vorgestellt wurde.

Die zentralen Kriterien für die Bewertung der Anbieter setzten sich in der Studie zusammen aus:

  • Strategie und Vision
  • Roadmap
  • Anzahl verkaufter SD-WAN-Systeme in den Jahren 2015 und 2016
  • Eigene Software
  • Funktionalitäten
  • Testmöglichkeiten im Internet
  • Teststellungen
  • Workshop-Angebote
  • Virtuelle WAN-Pfade, die parallel genutzt werden können
  • Bündelung von unterschiedlichen Leitungstechnologien
  • Verschlüsselung von Daten, Video, Sprache nach AES256
  • Gesicherte Verbindungsmöglichkeiten zu Cloud Hyperscalern
  • Verbindungsmöglichkeiten über einen Cloud-Hub-Dienstleister
  • Trainingsangebote für den Endkunden
  • Schulung der Mitarbeiter
  • Bereitstellen einer hybriden WAN- (MPLS/Internet-) Verbindung
  • Möglichkeit, kritische Anwendungen ausschließlich über MPLS zu transportieren
  • Priorisierung von latenzempfindlichen Applikationen
  • Einbindung von Security-Produkten
  • Netzanalyse-Tools, die in Echtzeit die Datenübertragung überwachen
  • Automatisierte Quality of Service
  • Deutsche Fallstudien
  • Referenzprojekte in Deutschland

Bewertung der Anbieter von Software-Defined WAN Products

Die Experton Group identifizierte im deutschen Markt neun Unternehmen als relevante Anbieter für „Software-Defined WAN Products“; davon konnten sich die folgenden drei Provider im Leader-Quadranten positionieren:

  • Cisco
  • Riverbed
  • Viprinet

Als Rising Star – also als ein Unternehmen, das das Potenzial hat, in absehbarer Zeit zu einem Leader aufzusteigen – wurde Silver Peak identifiziert.

Software-Defined WAN

Abbildung: Positionierung der Anbieter von Software-Defined WAN Products in Deutschland. Quelle: Experton Group AG, 2017.

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