Banking

Investitionen in Digitalisierung und Finanzökosysteme

Die Bankenbranche steht in allen Geschäftsfeldern vor einem tiefgreifenden Strukturwandel, an dessen Ende ein deutlich schlankerer Bankensektor mit modularen Strukturen, weniger Banken und Filialen sowie effizienteren Prozessen stehen wird. Der technologische Wandel verändert die Wertschöpfung des Bankensektors. Um die Ertragsprobleme nachhaltig zu lösen, brauchen Banken neue „Sources of Income” und müssen offen sein für neue Formen der digitalen Wertschöpfung, d.h. Transformation in eine digitale Plattform (Platformification). Künftig werden sich für jene Banken Chancen bieten, denen es gelingt, ihre internen und externen Prozesse, ihre Services und Produkte möglichst flexibel in eine digitale Infrastruktur einzubetten. Damit wird es Banken möglich sein, künftig kompatible und interoperable Technologien zeitnah und kostengünstig in die eigene Wertschöpfung zu integrieren sowie mit technologiengetriebenen (neuen) Anbietern zu kollaborieren. Durch diese digitale Vernetzung entsteht Innovation nicht mehr nur in isolierten Bereichen und Branchen, sondern zunehmend an den jeweiligen Programmierschnittstellen (Banking as a Platform). Banken sollten das Open Banking für sich nutzen und auch monetarisieren können. Beispiel: Deutsche Bank API Program (dbAPI).

Wandel der Geschäftsmodelle durch Digitalisierung

Banken werden tendenziell zu Hightech-Konzernen und stehen im gesamten Change-Management-Prozess vor einer doppelten Herausforderung: Transformation und Disruption. Banken bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten, z.B. die Optimierung des Filialgeschäftes mit innovativen Konzepten, Industrie 4.0 im Corporate Banking, Personal Finance Management, Zahlungsverkehr der Zukunft, Perspektiven für das digitalisierte Private Banking und Wealth Management, der Schritt zur agilen Bank oder Partnerschaften mit FinTechs. Banken arbeiten weiter an der effizienteren Aufstellung des Filialgeschäfts. Beispiele hierfür sind die DB Privat- und Firmenkundenbank AG mit „Quartier Zukunft“ in Berlin und das Commerzbank-Projekt „Filialstrategie 2020“. Die Digitalisierung wird den Zwang, fokussierte Geschäftsmodelle zu entwickeln, maßgeblich beschleunigen und forciert den Kampf um die (profitable) Kundenschnittstelle. Daten und Informationen werden sich zu wichtigen Wettbewerbsparametern entwickeln. Die Macht der Algorithmen zeigt sich in Entwicklungen wie Big Data und den vielfältigen Analyticslösungen. Durch gezielte Kooperationen zwischen Branchen entstehen neue Potenziale. Ein Beispiel dafür sind AXA und ING, die eine globale Plattform für Banking- und Versicherungsprodukte implementieren.

Agilität wird entscheidend sein

Vor dem Hintergrund der digitalen Transformation wird eine agile Organisation eine entscheidende Rolle spielen. Agilität im Banking ermöglicht eine permanente Anpassung an den Kundenbedarf zur erfolgreichen Differenzierung im Wettbewerb. Die Flexibilisierung und Agilität der IT-Infrastruktur steht ganz oben auf der Prioritätenliste (Business & Architektur & Technologie). IT-Business Alignment gewinnt an Bedeutung, d.h. die fortlaufende Abstimmung von Geschäftsbereichen und IT-Bereich auf strategischer und operativer Ebene sowie die Abstimmung mit Wertschöpfungspartnern (SLA-/Vendor Management). Für die Banken-IT spielt „Continuous Delivery“ eine wichtige Rolle und ist die Fähigkeit, funktionale Anpassungen (Time to Market) effizient in die Produktion zu bringen. Ein Beispiel hierfür: Die Commerzbank hat im Rahmen der Umsetzung der Digitalstrategie die Gründung des neuen Konzernbereichs Group Digital Transformation (GM-DT) angekündigt. Die Digitalisierung wird in thematisch zusammenhängenden End-to-End-Prozessen („Master Journeys“) und cross-funktionaler Teams („Cluster“) vorangetrieben. „Technology Foundations“ sollen zukünftig die „Cluster“ thematisch in Cloud Services, Advanced Analytics, API-Banking und Blockchaintechnologien unterstützen.

Reaktionen auf den Anpassungsdruck

Die Anforderungen an ein zukunftsfähiges Bankgeschäft haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Der Druck auf die Profitabilität hat sich erhöht, sowohl bei den Erträgen als auch bei den Kosten. Banken haben die laufende Überprüfung interner Prozesse, Strukturen und technischer Plattformen angekündigt. Die Strategien haben drei Zielsetzungen: Konzentration auf Bankgeschäfte mit klaren Wettbewerbsvorteilen, Transformation zum digitalen Technologieunternehmen und Reduzierung von Komplexität und damit Steigerung der Kosteneffizienz. Die Investitionen in Digitalisierung und Wachstum sowie die gestiegenen Kosten für Regulierungsprojekte, Compliance etc. werden durch aktives Kostenmanagement kompensiert. Der Managementfokus richtet sich dabei auf OpEx-Projekte (Aufwand-Ertrag-Relation) und Digital KPIs (Business Value). Der deutsche Bankensektor ist nicht nur relativ groß. Er ist auch heterogen. Im komplexen deutschen Bankenmarkt unterscheiden sich die Business- und IT-Strategien je nach Geschäftsmodell erheblich und erfordern von ICT-Providern fokussierte Lösungen und Beratungsansätze. Zielführend für das Management der ICT-Provider sind Markttransparenz (Business und IT-Strukturen) sowie die genaue Kenntnis der strategischen Investitionen, Projekt-Budgets und Buying Center.

Abbildung: Digitalisation & Cost Reduction in Banking. Quellen: Commerzbank und Deutsche Bank, 2018.

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