Digital Transformation

Digital Transformation und das Internet of Things – Teil 3

Heiko Henkes

Im zweiten Teil dieses Beitrags berichteten wir über Trends, die für IoT im Rahmen der Digitalisierung kennzeichnend sind. Heute können Sie den dritten Teil zu den Zusammenhängen der Digitalen Transformation und des Internet of Things lesen. Den ersten Teil können Sie hier nachlesen.

IoT-OS-Plattformen und -Prozessoren – mehr als nur „tiny“

Hardwareseitig könnte sich ARM auf Basis hoher Effizienz bei geringer Energieaufnahme weiter im IoT-Bereich auf Android oder Windows IoT als kleinsten gemeinsamen Nenner durchsetzen. Andererseits sind diese Prozessoren schon zu komplex und performant für die vergleichsweise minimalen und spitz zugeschnittenen Prozessanforderungen, so dass Prozessoren aus den 80-90ern bzw. 8-16 Bit in Kombination schmaler und vor allem echtzeitorientierter Betriebssysteme ausreichen.

Vor allem im Bereich Realtime Operation System (RTOS) werden weitere Innovationen zu erwarten sein. Es werden vermehrt Betriebssysteme in der Kategorie „embedded“, „tiny“, „Light“ bzw. „Nano“ OS erwartet. Die Branche entwickelt schon fleißig, so dass es beispielsweise mit „Zephyr Project“ eine Lösung von der Linux Foundation, Intel und Wind River gibt. Weitere wie beispielsweise RIOT OS, VxWorks von Windriver, Google Brillo, ARM Mbed OS und andere buhlen ebenfalls um Kunden und Ökosysteme. Hier läuft viel unter dem Radar. Dreht sich schon heute alles um kleine Micro Services, die via Application-Programming-Interface- (API-) Schnittstelle verbunden werden und sicher getrackt, gesteuert und ausgelesen werden können, werden IoT-Ecosystems immer stärker von Industriestandards abhängig und gleichzeitig ausgebremst werden. Der Kampf der Plattformen hat längst begonnen. Dabei stoßen alteingesessene Industriegrößen auf dem Weg zur IT-Readiness auf generische bzw. verschiedenste IT-Anbieter, die auf dem Weg zur Prozessspezialisierung sind.

Datenpriorisierung und -transport brauchen Spezialplattformen

Je mehr Enterprise Mashups und bildgebende sowie -fordernde Lösungen Teil moderner Geschäftsmodelle werden, um beispielsweise Augmented Reality (AR-) Apps zu unterstützen, desto größer werden die Datenberge, die in Echtzeit transportiert und nach der Analyse teilweise gespeichert werden müssen. Somit steigt der Bedarf an Spezialplattformen, die Daten mit Priorität und somit Exklusivität über Netze in Systeme als Stream übertragen. Der Bedarf an verschiedensten Speichersystemen und intelligenten Algorithmen zur Klassifizierung in Kategorien wie beispielsweise Archiv-/Cold Data bis hin zu Hot Data steigt gleichermaßen. Echtzeit- bzw. In-Memory-Datenbanken können diese Datenberge zwar in Windeseile verarbeiten und clustern, der „Tunnel“ zur Datenbank und wieder hin zu den vielen Devices wird sich aber in vielen Fällen im Edge-Bereich und somit in nächster Nähe befinden. Entfernte Clouds können unter diesen Anforderungen schwerlich mithalten. Diese Edge Data Center, die häufig modular und auch mobil für On-Demand aufgebaut werden, kommen beispielsweise künftig von Data-Center-Ausrüstern wie Rittal. Ferner werden solche High-End- bzw. Spezialplattformen embedded Software-Defined-Network-Technologien (SDN) benötigen, um Flaschenhälse proaktiv und per intelligenter Software-/App-Steuerung zu eliminieren. Dabei werden beispielsweise die Methoden wie das Tunneling à la VPN/MPLS bzw. Azure Route, AWS Direct Connect und auch WAN-Optimizer in Verbindung mit Content Delivery Networks (CDN) genutzt. Andernfalls werden viele Use Cases hinfällig, in denen großen Datenbergen in Echtzeit und somit ohne „Lag“ von A nach B und C und wieder nach A transportiert werden müssen. Während Verzögerungen (Lags) von 10 Millisekunden bei ERP-Eingabemasken toleriert werden können, ohne dass die Usability sonderlich leidet, wird hier eine andere Geschwindigkeit vorausgesetzt werden. Es müssen also tendenziell 0 Millisekunden sein, um der Anforderung „Echtzeit“ zu entsprechen. Solche Plattformen werden natürlich kostspielig sein, so dass auch hier der (intelligente) Automatismus in Form von Event-Processing Mechanismen aus dem Themenbereich Data Analytics und künstlicher Intelligenz (KI) eine außerordentlich große Rolle spielen wird. Speziell die Public Clouds wie beispielsweise AWS, Google und Microsoft Azure spielen hier groß auf bzw. liefern die Innovationen und Plattformen zur Entwicklung dieser Techniken – IBM Softlayer ist allerdings noch nicht aus dem Rennen und vor allem im PaaS-Bereich eine gute Alternative. Dabei werden auch Lösungen wie das neue „Azure Confidential Computing“ von großer Relevanz sein, um speziell die Vorbehalte und branchenspezifischen Restriktionen beim Gang in die Public Cloud auszuhebeln.

Plattformen mit IT- und Sensor-Device-Anbindung

Plattformen im IoT-Segment beinhalten immer häufiger Lösungen zur Steuerung von Devices, sowie zum Auslesen der im Low-level-Segment anfallenden Daten im Rahmen der Kommunikation und Steuerung, die beispielsweise auch in Verbindung mit einem Manufacturing Executive System (MES) fließen können. Von dort aus werden wiederum Daten in verdichteter Form in ein ERP-System gespeist, um der Geschäftsseite Einblicke zu liefern. Solche Plattformen müssen aber im Gegensatz zu den klassischen IT- und auch Cloud-Plattformen Firmware Update Management beherrschen. Trotz des tiefen Durchgriffs zu den Devices mit Sensoren, ist auch die App-Entwicklung und -Modernisierung und somit Application Platform as a Service (aPaaS) von großer Nachfrage geprägt. In diesem Middleware- und Embedded-Bereich kommen zusätzlich noch Integration-Platform-as-a-Service- (iPaaS-) Lösungen ins Spiel, um die Systeme mittels Konnektoren zu verbinden und den reibungslosen Datenaustausch zu garantieren. Informatica ist hier beispielsweise einer der führenden Anbieter im generischen IT- und Cloud-Bereich, während Tibco beispielsweise eine hohe Portfolioattraktivität im IoT-Segment besitzt.

Vertikale Plattformen sowie Appliances

Vertikale Plattformen und solche, die von einstigen „IT-Anwenderunternehmen“ auf den Markt kommen, liegen stark im Trend – so gibt es beispielsweise mit den Bosch- oder Siemens-IoT-Clouds gute Beispiele für Cloud-Platform-Quereinsteiger. Ähnlich verhält es sich bei Osram, dem alteingesessenen Industrieunternehmen, das eine IoT-Plattform aufbaut. Aber auch Cumulocity (nun Software AG) bietet industrie- bzw. IoT-spezifische Starter-Kit-Plattformen. Ein weiteres Beispiel ist QSC, das mit Q-Loud das QSC-IoT-Zeitalter eingeläutet hat. Hier stammt die Lösung aus den Händen eines Netzwerk- und Cloud Service Providers und beinhaltet als Appliance auch Gateways und Module bzw. spezielle Platinen.

Disruptive Startups mit Anlaufschwierigkeiten

Eventuell ist auch das Startup „Getaway“ als Revolution im Carsharing ebenfalls ein Teil der neuen Industrial- bzw. Manufacturing-IoT-Welle innerhalb der Automobilbranche. Hier liegt ein disruptives Geschäftsmodell in Kombination mit einer Appliance vor, die lokal in jedes Auto für aktuell  etwa 500 Euro eingebaut werden muss. Regionale Neueinsteiger erhalten diesen Umbau aktuell sogar kostenlos.

Vor allem in Verbindung mit dem Wandel der Gesellschaft, die künftig kaum mehr etwas kauft, sondern primär leiht und teilt, wird dieses Unternehmen spannend. Und wenn dann doch noch gekauft wird, dann sollte das Gekaufte aber bitte zu jeder Zeit voll ausgelastet sein – hier kann Geld beim Parken verdient werden. Früher hat man peinlich auf seine Sachen geachtet und auch jegliche Information für sich und somit nicht selten zum Nachteil anderer genutzt – heutzutage werden alle Gepflogenheiten über den Haufen geworfen. Wir teilen einfach alles in unserem Leben. Wodurch unterscheiden wir uns denn am Ende noch?

Zu guter Letzt etwas zum Nachdenken und auch Schmunzeln

Wir leben in einer Zeit, in der junge Menschen oft nur noch via Remakes auf alte Werte und Größen aufmerksam gemacht werden und kulturelle Gepflogenheiten immer seltener durch persönliche Gespräche oder Traditionen übermittelt werden. Gleichzeitig sprechen Menschen immer seltener direkt und somit „face to face“ miteinander, dafür aber immer häufiger mit scheinbar intelligenten Devices. Seltsam ist das schon.

Remakes wie von Nintendo in Form der neuen Miniaturausgabe von SNES funktionieren gut am heutigen Markt. Handlich klein und mit neuer Connectivity in Form von HDMI – da machen alte Zockerherzen auf neuen 65-Zoll-OLED-TV heimliche Luftsprünge. Während es andere wiederum gar nicht kümmert. Die fragen sich aktuell vielleicht eher welche KI-Home-Appliance die Beste ist und ob die anderen auch schon die neuen „Dirty Skills“ von Alexa beherrschen, oder wie die Einrichtung und Kompatibilität von Alexa (oder eine x-beliebige andere KI) zur Logitech-Harmony-Fernbedienung für das Home Entertainment System bzw. dem Smart Home aussieht? Fragen über Fragen der Neuzeit …

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