Big Data

Wohin mit den Big Data?

Bottom Line (ICT-Anwenderunternehmen):

Anwender werden gerne mit der Idee konfrontiert, alle möglichen Daten zu sammeln. Aber wohin damit? Das Magnetband hat noch lange nicht ausgedient und für riesige Datenbestände, die immer mal wieder benötigt werden, ist es ein optimales Speichermedium. Forscher haben jetzt einen Rekord bei der Speicherdichte aufgestellt.

Bottom Line (ICT-Anbieterunternehmen):

Tape is in. Bandspeicher haben im Unternehmenseinsatz noch lange nicht ausgedient. Die Anbieter von Storage-Lösungen sollten deshalb immer auch die Entwicklung im Bereich Tape verfolgen, damit ihre Bandspeicherlösungen, die D2T- oder die D2D2T-Konzepte auch in Zukunft funktionieren und sie ihre Wettbewerbsposition verteidigen können.

 

Als der Begriff Big Data noch ganz neu war, haben die Advisors der Experton Group gesagt, dass uns dieses Thema noch viele Jahre lang beschäftigen wird und dass sich Big Data in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu einer Grundlage für viele neue Technologien und Services entwickelt wird. Heute finden wir die ersten Lösungen im Unternehmensalltag, die auf der Verarbeitung und Analyse von Big Data aufsetzen: Predictive Maintenance, fortgeschrittene Business Intelligence, vermeintlich intelligente Systeme, die durch die schnelle Verarbeitung sehr vieler Daten geschickt auf die konkrete Situation reagieren. Eine lustige Petitesse dabei: Alles, was neulich noch automatisch oder automatisiert funktioniert, ist heute „autonom“, darunter der „autonome Sonnenschirm“, der in ein paar Wochen ein Hit auf der Internationalen Funkausstellung sein soll (www.shadecraft.com). Aber vermutlich haben wir so etwas dem Unsinn der Suchmaschinenoptimierung zu verdanken: Es müssen unbedingt alle hippen Buzzwords in der Produktbeschreibung stehen.

Was hingegen in den Ankündigungen zu künstlicher Intelligenz (KI), „autonom“ oder Big Data Analytics fast immer fehlt: Wo werden die Daten eigentlich physisch gespeichert? Denn hinter all den modernen Lösungen für die Unternehmens-IT stecken Daten, und diese müssen irgendwo gespeichert werden. Nicht alle Daten werden „streaming“ sein, also in einem laufenden, teuren Verfahren direkt von der Quelle an verarbeitet. Viele Daten können auch ganz entspannt near-line oder off-line gespeichert werden.

Was nun erstmal gar nicht so nach Buzzword klingt und auch nicht sehr „hip“ zu sein scheint, ist das Magnetband. Das Magnetband gehört zu den prinzipiell schon betagten Technologien, aber das gilt ja auch für KI und das Computing mit Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe an sich. Die Software-Lösungen für das Speichern auf Band sind ausgereift, und schnelle Bandbibliotheken liefern gerade im Near-Line-Betrieb eine erstaunliche Performance. Obwohl die Magnetbandtechnologie in der IT nun schon über 60 Jahre alt ist, finden die Forscher immer noch Steigerungsmöglichkeiten. So haben Wissenschaftler von IBM Research in Zürich erstmals Daten mit einer Speicherdichte von 201 Gigabit pro Quadratzoll (rund 6,45 cm²) auf einem von Sony Storage Media Solutions entwickelten Magnetband geschrieben. Das verwendete Band ist ein Sputtered-magnetic-Tape-Prototyp.

Damit wurde die Speicherdichte im Vergleich zu gegenwärtig kommerziell erhältlichen Magnetbändern wie dem IBM TS1155 um das mehr als 20-fache gesteigert.

Abbildung: Die Entwicklung der Speicherdichte auf Magnetband. Quelle: IBM.

Mit der von den IBM-Forschern entwickelten Rekordtechnologie könnte eine Kassette bis zu 330 Terabytes (TB) an unkomprimierten Daten speichern. Bei dem hierfür verwendeten Band wird die Magnetschicht mittels Kathodenzerstäubung (engl. sputter deposition) aufgetragen. Durch dieses Verfahren ist eine extrem feine Verteilung der Magnetpartikel auf dem Band möglich. Außerdem haben die Forscher von IBM einen nur 48-nm-breiten, tunnel-magnetoresistiven (TMR) Lesekopf und eine verbesserte Servosteuertechnik entwickelt. Mit diesen Komponenten lässt sich eine Spurdichte von 246.200 parallelen Spuren pro Zoll, das entspricht dem 13-fachen des aktuellen TS1155-Bandlaufwerks erreichen.

Bis diese Magnetbandtechnologie kommerziell verfügbar ist, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen. Typischerweise dauert es etwa zehn Jahre, bis die demonstrierten Forschungsergebnisse als Produkte verfügbar sein werden, was uns von IBM auch hier bestätigt worden ist. Die z.B. im TS1150, das seit 2014 kommerziell verfügbar ist, erreichte Dichte von 6,7 Gb/sq.in. basiert auf einer 2006 vorgestellten Technik.

Der eingangs nebenbei erwähnte Sonnenschirm, der sich solarstromgetrieben nach der Sonne ausrichtet und mit kleinen Sensoren und Motoren gespickt ist, braucht sicherlich kein Magnetband. Andere, industriell genutzte autonome Systeme werden hingegen sehr viele Daten benötigen – und diese können sehr wohl auch von einem Magnetband aus der Cloud geliefert werden, vor allem wenn es sich um historische Daten handelt, mit denen ein System, das nicht immer gleich „autonom“ sein muss, aktuelle Situationen analysiert und bewertet. Auch künstliche Intelligenz braucht ein Gedächtnis, also warum nicht eines auf Magnetband.

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