Industrie 4.0, Internet of Things

PTC Jahreskongress LiveWorx 2017 – Industrie 4.0 geht nach Boston – und behauptet sich gut!

Der amerikanische Hersteller der MES-Plattform ThingWorx, PTC, hat letzte Woche Analysten und Presse auf seine Jahreskonferenz LiveWorx nach Boston eingeladen. Für ein Unternehmen mittelständischer Größe, mit einem Jahresumsatz um die Milliarde Euro, wurde eine beachtliche Veranstaltung mit vielen prominenten Partnern auf die Beine gestellt. Eine gute „Show“ und ein Portfolio mit Substanz standen hier in einem ausgewogenen Verhältnis. Interessanterweise kamen die meisten gezeigten Case Studies und Einsatzszenarien aus Deutschland. Der CEO, James Heppelmann, fand dafür vor Analysten und Journalisten klare Worte: „Deutschland ist viel schneller bei der Entwicklung von industriellen IoT-Anwendungen als die USA.“

Donald Trump hat in Brüssel mit seiner Attacke auf deutsche Exporterfolge erneut in der ihm eigenen Bully-Diplomatie gezeigt, dass er das Spiel der freien Marktkräfte ausblendet, obwohl es auch sein Spiel war. Man könnte diesem Wehklagen entgegenhalten, dass deutsche Autos im Bostoner Stadtbild längst nicht so präsent sind wie Toyotas, dass amerikanische Software in jedem Smartphone, Tablet und PC verbaut ist, oder dass ein Blick in amerikanische Haushalte und Firmen offenbart, dass es nicht nur deutsche Autos sind, die zu dem Handelsüberschuss führen.

Statt dem nächsten Handelskrieg das Wort zu reden, hat LiveWorx gezeigt, wie gut Industrie 4.0 funktionieren kann, wenn sich jeder auf seine Stärken konzentriert. Was bedeutet das, wenn amerikanische Software in einer deutschen Produktionsanlage eingesetzt wird? Besonders interessant dazu war eine Diskussionsrunde mit Professor Schuh, Geschäftsführer des Startups e.GO, das Elektroautos in Aachen produziert. Auf die Frage eines Journalisten, ob es gefährlich sei, amerikanische Software einzusetzen, die Daten einsammelt und auswertet, um die Produktion zu optimieren, gab er Folgendes zu bedenken: „Wir schauen immer schnell auf mögliche Bedrohungen, mehr als auf die Chancen. Die Softwareplattform von PTC wird für sehr dedizierte Zwecke eingesetzt. Sie wird nichts daran ändern, dass die Hoheit über die sehr komplexen mathematischen Verfahren zur Optimierung unserer Produktion bei uns bleibt. Sie wird auch nichts daran ändern, dass die Produktionsanlagen in den USA im Vergleich zu unseren um etwa 30 Jahre zurückliegen. Die Amerikaner, in diesem Fall PTC, geben uns Schwung und treiben uns an – für uns als Startup genau richtig. Genau das brauchen wir für Industrie 4.0. Mehr Mut und mehr Dynamik.“

PTC ThingWorx ist als industrielle IoT-Plattform in Deutschland nicht einmalig. Doch das Unternehmen aus Needham, Massachusetts verbindet solides Engineering mit einem sehr aktiven Marktauftritt und einem starken Ecosystem. Das belebt das Wettbewerbsumfeld und kann für die Dynamik im deutschen Markt nur gut sein. Es geht um nicht weniger, als die Spitzenposition bei der Digitalisierung im Industriesektor zu halten und auszubauen. Dafür muss sich auch PTC an den Besten im Feld messen lassen. Das Unternehmen hat dies erkannt und setzt in seinem Technologie-Stack auf anerkannte Standards statt proprietärer Protokolle. We welcome this kind of competition!

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