Cloud Computing, Industrie 4.0, Kurz notiert

Kurz notiert – Wissenswertes im Kontext der Digitalisierung

Heiko Henkes

„Never Change a running system“ war gestern!

  • Unsere Welt verändert sich radikaler denn je! Innovationszyklen sind so kurz, dass man sie kaum noch auf einem Blatt Papier notieren kann. Die Konsolidierungs- und Insolvenzwelle bekommt nochmals Antrieb.

Cloud/Industrie:

  • HP ist einer der bekanntesten Server-Hersteller und – auch als SAP-Server-Lieferant Nr.1 – zwangsläufig geerdet. Dennoch setzt HP schon länger auf die effizienten ARM-Server (Moonshot). Jetzt könnte aber aus anderer Richtung, nämlich über Core OS auf dem Rasperry PI (2) in Kombination mit Docker Containern eine neue Generation von „low cost appliance“ entstehen. Zwar adressiert HP einer anderes Klientel, dennoch zeichnen sich hier am Ende des Tages Gefahren im Blick auf das Ziel – des Services – ab.

Business Modelle:

  • Schlaue – meist nicht aus Deutschland stammende – Unternehmen nutzen bekannte und bestehende Infrastrukturen – IP-Netzwerke – und setzen einen neuen Service auf Basis alltäglicher Anforderungen auf. Sie sind aus dem Stand erfolgreich und hängen alt eingesessene Marktbegleiter in verstaubten Denkmustern und mit nicht digitalisierten Geschäftsmodellen ab. Ein Beispiel ist der im schönen Silicon Valley hippe Service „Uber“ für das Bestellen eines Taxis – so viel habe ich letzte Woche am eigenen Leib erfahren. Aber was in den USA total angesagt ist, stößt hierzulande nicht immer auf Gegenliebe. Das hat beispielsweise gerade das Berliner Landesgericht bewiesen. „Uber“ darf dort keine Taxis mehr vermitteln. Aus die Maus! Wenn es darauf ankommt, hat wohl die klassische und zunehmend unter Druck geratene Taxi-Branche doch noch eine Lobby.

Consumer/Business:

  • Samsung Voice Record sorgt für Schlagzeilen: Tappt Samsung hier in die gleiche Falle wie Microsoft 2013 mit Szenarien rund um Kinect der neuen Xbox One? Eins ist klar, keiner hat Lust im privaten Wohnzimmer auf Schritt und Tritt belauscht zu werden. Zudem gibt es auf den neuen Entertainment-Plattformen keine Security Suites; noch jemanden der dies überwacht. Ein visueller „Off“ Schalter kann also auch trügerisch sein. Diese Entwicklung wird sehr spannend, zumal die Big Screens immer häufiger im Business-Kontext genutzt werden und sich dort UC-Szenarien abzeichnen. Wer wird hier kontrollieren und wann wird Microsoft diese Geräte erobert bzw. überhaupt einmal adressieren? Windows 10 hat das Potential dafür.
  • Wie lange kann sich der sexy Amazon „Trojaner“ in Form eines Lautsprechers „Echo“ hierzulande halten? Überwiegt dort auch der Komfort nach Lust und Laune Musik auf Basis einen Zurufs abspielen zu lassen?
  • Anders aber doch ähnlich verhält es sich mit Location based Services (LBS) aus der mobilen Welt, die bislang noch nicht richtig Fahrt aufgenommen haben und die mobile Werbung noch nicht auf das für 2015 antizipierte Level katapultiert haben. Allerdings schalten immer mehr unbedarfte User die Standort Übermittlung kostenloser Apps ein, ohne sich über die Konsequenzen bzw. die Daten-Maschinerie im Hintergrund, dem d!connomy Backend, ernsthafte Gedanken zu machen. Allerdings kommt NFC auch erst jetzt richtig in Schwung, obwohl die Technik bereits viele Jahre alt ist.
  • Wie werden etablierte Unternehmen oder Services der alten Generation (bspw. Pay back) den Shift in die digitale Welt nach außen verkaufen und wie werden sich die Geschäftsmodelle verändern – sollte die Bereitschaft zur unbedarften Datenübermittlung in Bezug auf Standort, Kaufverhalten und Vorlieben oder auch unwissentlich im Umgang mit „free of charge services“ doch einmal kippen? Die Schatten-IT kämpft jedenfalls mit diesen Services und ist aktuell in vielen Unternehmen ein großes Problem, das jedoch durch neue sichere und ebenfalls durch gute Usability geprägte Services gelöst werden kann. Siehe „foxdox“ als Dropbox-Alternative eines bodenständigen ECM-Anbieters.
  • Wer ist es nicht leid, verschiedene Input-Kanäle aus E-Mail-Konten oder Social zu überprüfen, zu lesen, zu beantworten, zu kopieren, weiterzuleiten oder einfach zu monitoren. Wer hipp sein will und eine ordentliche Schlagzahl in der digitalen und vernetzen Welt hinlegen will, kommt da schon einmal ins Schleudern! Hierfür gibt es nun IFTTT als Automatisierer, den kritische und risikoaverse User wohl zunächst meiden werden.
  • Wie groß wird der Trade off zwischen Privatsphäre und Komfort in Zukunft werden? Der „Homo Digitalus“ von heute steckt zunehmend in der Zwickmühle. Dabei rollt schon die nächste Revolution mit autonom fahrenden Autos und darauf abgestimmten Versicherungspaketen auf ihn zu…

Industrie:

  • Die Fertigungstiefe der klassischen „legacy“ Produktion sinkt zunehmend. Am bspw. der Automobilindustrie wird dies schnell klar. Die Kompetenzen werden eher in Richtung Supply Chain und Partner Management verlagert, um sich beim Zusammensetzen der Module kurz vor Torschluss (Fahrzeugabgabe) nicht zu verhaspeln. Dagegen steigt die Fertigungstiefe der IT und wird zum Schauplatz der d!economy.

Bildung/Gesellschaft und Industrie:

  • Verhaspeln wir uns im Kontext Industrie 4.0 gerade und verspielen unser weltweites Ansehen als Ingenieurskünstler?
  • Neue Berufe etablieren sich und werden in Universitäten angeboten: Neben dem Social Media Manager, der immer mehr in Richtung Social Business tendiert und Grabenkämpfe mit dem Betriebsrat durchstehen muss, sind im Kontext Cloud bzw. Industrie 4.0 vielmehr der Mechatroniker mit viel Bodenständigkeit, der Systems Engineer mit viel technischem Verständnis und Weitblick sowie der Business Architekt mit wirtschaftlichem Verständnis für moderne Infrastrukturen, entscheidende Berufsbilder für unseren Wirtschaftsstandort.
  • Fakt ist, wir haben derzeit einen Fachkräftemangel an Übersetzern, die es schaffen vormals getrennte Welten in digitaler und somit durchgängig steuerbarer und überprüfbarer Geschäftsmodelle zu verbinden.

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  • Das „Problem“ bzw. die Herausforderung in dem o.a. Schichtenmodell liegt nach aktuellen Research-Ergebnissen der Experton Group in der IT- bzw. Computerfizierung der Sensorik bzw. dem Medienbruch ehemals getrennter Welten. Es gibt selten Zuständigkeiten für das sog. „handover“ der Daten.
  • In der Realität verschwinden oftmals der IT-Glanz sowie die hoch gelobte Ingenieurskunst bei der Suche nach reifbaren Geschäftsmodellen auf digitalen Pfaden. Anwenderunternehmen suchen nach etwas, um die neue High Level und Value Welt auf die Straße zu bringen! IT-Anbieter suchen krampfhaft nach nachvollziehbaren und erprobten Geschäftsmodellen an denen man sich nicht die Finger verbrennt. Zusätzlich werden die im Berufsalltag agierenden Individuen auch privat mit der Digitalisierung konfrontiert und sind immer mehr gezwungen die Welten zu verbinden, um Schritt halten zu können.

Dabei hilft es auf unabhängige Marktbeobachter zu hören, damit die Gradwanderung zwischen Altbewährtem und Innovationen zu meistern ist und die Gefahr, Trends zu verschlafen oder gar auf jeden x-beliebigen und nicht nachhaltigen Trend aufzuspringen, eingedämmt wird.

 

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