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Hewlett-Packard gewinnt Rechtsstreit gegen Oracle – ein Gewinn für die Kunden?!

HP verschickte am 01.08.2012 eine Pressemitteilung, die Itanium-Kunden weltweit beruhigen sollte. Oracle wurde vom Superior Court of the State of California, Santa Clara County, dazu verpflichtet, alle Produkte, die zum 20. September 2010 auf HP Itanium-Servern verfügbar waren, auch weiterhin anzubieten und die jeweiligen neuen Releases, Updates und Versionen auf Itanium zu portieren. Diese Verpflichtung soll so lange gelten, wie HP Itanium-Server zum Kauf anbietet.

Die Reaktion von Oracle ist relativ einfach. Oracle erklärt nochmals, dass die Einstellung des Itanium-Supports eine rein technologische Entscheidung gewesen sei und zeigt sich enttäuscht über die Tatsache, dass sie weiterhin eine Technologie am Ende des Lebenszyklus unterstützen müssen. Gleichzeitig wird das Urteil keinesfalls akzeptiert. „Wir haben die Absicht, gegen das Gerichtsurteil Berufung einzulegen und gleichzeitig wegen unserer Gegenansprüche aufgrund von HPs Täuschung von Partnern und Kunden vor Gericht zu gehen.“, so Deborah Hellinger, Pressesprecherin Oracle.

Für Bestandskunden ist das Urteil auf den ersten Blick sicher eine gute Nachricht, ist doch sichergestellt, dass zumindest in den nächsten Jahren kein zusätzlicher Druck aufgrund der Nichtverfügbarkeit neuer Datenbank-Versionen entsteht. Auf den zweiten Blick und aufgrund der Erfahrungen mit Oracle kann davon ausgegangen werden, dass, falls das Urteil Bestand hat, Oracle Mittel und Wege finden wird, sich an die gerichtlichen Vorgaben zu halten, ohne wirklich viel zu investieren. Experton Group geht davon aus, dass die Portierungen von immer weniger Ressourcen gemacht werden und damit entsprechend lange dauern.

Das Bestandskundengeschäft, also der Verkauf neuer Itanium-Server an bestehende Itanium-Kunden, dürfte sich durch diese Gerichtsentscheidung wohl eher nicht vereinfachen. Das Gros der installierten Basis arbeitet längst an Migrationsszenarien Richtung Linux und AIX. Angesichts der Marktanteils-Erosion der letzten Quartale ist es nur eine Frage der Zeit, wann Itanium vollends bedeutungslos wird. Experton Group geht von vier bis fünf Jahren des Rückzugs aus.

Echtes Neukundengeschäft dürfte im Itanium-Umfeld eher eine Singularität darstellen und muss hier nicht weiter ausgeführt werden.

Empfehlung der Experton Group für Itanium-Anwender: Bestehende Installationen können unabhängig vom letztendlichen Ausgang des Rechtsstreits bis zum Lebenszyklusende der Server weiter betrieben werden. Spätestens 24 bis 18 Monate vor Erreichen dieses Zeitpunktes muss aber mit der Evaluierung der zukünftigen Alternativen begonnen werden. Dies betrifft einerseits die Server-Betriebssystem-Kombination und andererseits die Datenbanken als solche. Die meisten Anwenderunternehmen betrachten in diesem Zusammenhang Linux/Intel und AIX/p-series auf der einen Seite und MS SQL und DB2 auf der anderen Seite. SAP HANA kann in einigen Bereichen ebenfalls eine Option sein. Der von Oracle vorgeschlagene Weg Richtung Solaris/Sparc mit Oracle DB ist aus zwei Gründen eher kritisch zu bewerten. Erstens, die Entwicklungsressourcen für Sparc und Solaris sind sehr begrenzt, so dass Oracle technologisch im Hardwarebereich ständig weiter zurückfallen wird. Zweitens ist mit diesem „Complete Oracle Stack“ zwar die Pre-Integration einfacher, führt aber zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit, sprich die Betriebskosten werden rasch steigen.

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